Rezension zu Bernd Mönkebüscher: Eine Kirche, die Gott nicht begrenzt. Würzbirg : Echter, 2022 //
Schon der Titel ist mehrschichtig: „Eine Kirche, die Gott nicht begrenzt“. Ich lese daraus die Aussage, dass Gott diese Kirche nicht begrenzt. Die Grenzen, die dennoch in ihr erlebt und erlitten werden, die hat die Kirche selbst gesetzt. Und daraus ergibt sich eine zweite Lesweise des Titels. Es ist die Vision des Autors, die er in diesem Buch zeichnet: Er wünscht sich eine Kirche, in der diese Gott nicht begrenzt, sondern in vielfältiger Weise lebendig wirksam werden lässt.
In 25, meist sehr kurzen Kapiteln entwirft Bernd Mönkebüscher, katholischer Pfarrer in Hamm und Autor verschiedener geistlicher Bücher, Mitinitiator der Initiative #OutInChurch, diese befreite Kirche. Darin werden Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts diskriminiert, darin wird die Vielfalt anerkannt, darin wird Unterleibsmoral durch Beziehungsethik ersetzt, darin wird Glaube nicht spiritualisiert, sondern greifbar und lebendig im konkreten Leben.
Es ist ein geistliches Buch. Der Autor schöpft aus seinem Schatz seelsorglicher Erfahrungen und Begegnungen. Er zeigt Verletzungen und Abwertungen auf, die Kirche und die in ihrem Namen Handelnden vielen Menschen zugefügt haben. Verletzungen, die vernichtet haben, Verletzungen, die noch immer klaffen, Verletzungen, die schmerzende Narben hinterlassen haben. Aber er bleibt nicht dabei stehen. In sensiblen Worten und in nüchterner, aber feinfühliger Betrachtung zeigt er auf, wie Wunden verbunden und Narben gesalbt werden können, wie Heilung erfolgen kann. Maßstab ist ihm dabei das Handeln Jesu, sein Umgang mit den Menschen, seine Botschaft von der vorbehaltlosen Liebe Gottes.
In jedem der Kapitel wird das Augenmerk in besonderer Weise auf einen Aspekt gelegt, der eine solche liebende Kirche auszeichnet. Ergänzt werden die pastoralen Auseinandersetzungen um Predigten und Gebete des Autors, durch die das Thema ins gottesdienstliche Leben hineingetragen wird. In diesen Einschüben wird besonders spürbar, wie sehr der Autor mit dieser Kirche trotz allem verbunden ist, wie sehr er aus seinem Glauben lebt, wie sehr er darum kämpft, dass diese Kirche wieder ein heilsamer Lebensraum wird.
Ja, es ist ein Buch über Homosexualität. Aber es darauf zu begrenzen, wäre zu kurz gefasst. Es ist ein Buch über eine befreite Kirche, eine liebende Kirche. Eine Kirche, die Gott nicht begrenzt.


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