Heimkinder im Fokus

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Am gestrigen 5. Februar 2026 wurde im Rahmen der Ausstellung „Shame – European Stories“ im Kunstraum hase29 in Osnabrück die Missbrauchserfahrung von Kindern in Heimeinrichtungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts fokussiert. Im Gespräch mit Hans-Jürgen Oldenburger von der ersten Heimkinder-Community NRW und der Journalistin Dr. Christiane Florin moderierte Maria Mesrian von der Initiative „Umsteuern – Robin Sisterhood e.V.“ den Abend.

Hans-Jürgen Oldenburger berichtete aus Sicht eines Betroffenem oder auch Überlebendem von seinen Erfahrungen mit der Institution, die seine Kindheit, Jugend und selbst noch das junge Erwachsenenalter geprägt hatte. Und er berichtete, welche Themen ihn und andere ehemalige Heimkinder auch jetzt im Alter noch bewegen.

Christiane Florin las aus ihrem Buch „Keinzelfall: Wie Heinz ein katholisches Heim überlebte“, erläuterte Hintergründe der Entstehung des Buches und Erkenntnisse ihrer Recherche.

Auch nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema der sexualisierten Gewalt und des Missbrauchs im Bereich der Kirchen hat mich der Fokus des Abends beeindruckt: Die zahlenmäßig große Gruppe der Heimkinder findet weder in den zahlreichen Aufarbeitungsberichten der Bistümer und vereinzelt auch Landeskirchen, noch in der öffentlichen Berichterstattung ernsthaft Berücksichtigung. Christiane Florin erläutert das: Es handelt sich bei den Heimkindern um eine Gruppe, die bereits in ihrer Kindheit und Jugend am unteren Rand der Gesellschaft stand. Die Heimkinder hatten keine Lobby. Folglich hatten sie auch keinen Schutz vor Tätern in den Einrichtungen. Und sie waren in ihren Bildungsmöglichkeiten benachteiligt, welhalb sich auch keine Bewegungen aus dem Kreis der Betroffenen heraus bildeten, an deren Spitze wortkräftige Vertreter Aufarbeitung einforderten. Sie blieben unsichtbar und sind es teilweise bis heute.

Eine weitere Erkenntnis, die Hans-Jürgen Oldenburger teilte: Viele der damaligen Heimkinder sind aufgrund ihres Alters zunehmend auf Pflege angewiesen. Die Inanspruchnahme von Hilfen in einem Pflegeheim ist für viele unvorstellbar. Zu sehr wirken die Traumata ihrer Kindheit und Jugend nach. Hier müssten andere Formen der Unterstützung greifen.

Viele andere Fragestellungen wurden beleuchtet – über die Rolle der damals und heute Verantwortlichen, über das, was Geld für Überlebende bewirken kann, was Betroffene sich heute wünschen und was sie brauchen.

Ich weiß nicht, wie die Veranstaltung beworben wurde, das Grüppchen der Teilnehmenden war überschaubar. Ein wenig bedauerlich, dass die hochkarätige Besetzung des Podiums nicht mehr Verantwortliche aus dem Bistum anlockte, Dom und Generalvikariat liegen nur einen Steinwurf vom Veranstaltungsraum entfernt.

Die Beteiligung und der Austausch der Anwesenden waren dennoch intensiv, auch Besucher aus dem Publikum brachten sich ein, die Veranstaltung war wenig frontal. Ein thematisch schwerer, aber auch schöner und gewinnbringender Abend!

Wer jetzt bedauert, die Veranstaltung verpasst zu haben, kann zumindest noch die Ausstellung „Shame – Europeam Stories“ im Kunstraum Hase29 besuchen. Sie ist noch bis zum 14. Februar zu sehen und lohnt sich auf jeden Fall.

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